Erfahrungsbericht

Gespräch mit Andreas über eine nachhaltige & vegane Lagerküche


«Im Lager neues zu wagen und gemeinsam auszuprobieren kann ein super Erlebnis sein und zudem den Teamgeist fördern. Gemeinsam vegetarische Sushis zuzubereiten war zum Beispiel genial – alle hatten einen Riesenspass – das war echt ein toller Lagerabend!»

Was macht für dich eine nachhaltige Lagerküche aus?

Eine nachhaltige Lagerküche zu führen bedeutet für mich, sich mit der Geschichte hinter einem Produkt auseinanderzusetzen und sich dabei zu fragen, ob ich das unterstützen kann. Ich finde nicht, dass man einfach irgendetwas einkaufen kann - das «verhäbt» einfach nicht. Es ist mir wichtig, dass meine Lagerküche sozial und ökologisch aufgeht. Der Bauer oder Feldarbeiter, der Produkte für meine Lagerküche herstellt, soll einen vernünftigen Lohn erhalten, unabhängig davon, wo er auf dieser Erde arbeitet. Ich möchte ja selber auch einen fairen Lohn erhalten.


Was sind deine Orientierungshilfen?

Viel Wissen habe ich über Kollegen und in Diskussion gewonnen. Natürlich auch über eigene Recherchen und Organisationen, die Inhalte zum Thema zur Verfügung stellen. So habe ich viel erfahren über Pro- und Kontraargumente für oder gegen den Veganismus. Und da habe ich mir gedacht, gerade in Bezug auf die Lagerküche, die sich auf eine Woche beschränkt: Das kann man ja mal ausprobieren. Durch den Austausch mit einem Freund der selber Veganer ist, habe ich Tipps für die Zubereitung von Speisen und spannende Alternativvorschläge für tierische Produkte erhalten. Bei diesen kommt es zudem sehr darauf an, ob diese zu einer Kostenfrage werden oder nicht.


Mich auch einfach mal im Bioladen umzuschauen war eine tolle Inspiration! So eröffnete sich mir ein neues Universum an Dingen, die ich davor noch nie gegessen hatte. Und neue Lebensmittelhersteller habe ich auch kennen gelernt. So hatte ich auch plötzlich ganz neue Ideen, wer als Sponsor in Frage kommen könnte: Fragen kostet ja nichts!


Wenn man dann mal eine Weile am Thema d’ran ist, achtet man sich auch mehr auf solche Dinge. Letztendlich kann man also sagen, dass ich in das Ganze reingewachsen bin. Dies auch via Jugendnaturschutzlager, denn in dieses wurde bereits ausschliesslich vegetarisch gekocht und deshalb war es auch kein grosser Schritt mehr für mich vegan zu kochen im Lager. Denn vegetarisch zu kochen war für uns eine Frage des Selbstverständnisses. Und vegetarisch zu kochen ist auch eine Budgetfrage, da es viel günstiger ist.


Was ist anders für dich als in der durchschnittlichen Lagerküche?

Man macht sich viele Gedanken zu alternativen Produkten. Am Anfang braucht es Experimentierfreude und Risikobereitschaft Neues zu wagen. Wichtig ist, dass man nicht einfach versucht traditionelle Rezepte zu kopieren, denn es gibt genug tolle vegane Rezepte, bei denen man nicht den Vergleich zum traditionellen Rezept sucht. Um solche neue Rezepte zu finden und kochen zu lernen, hilft es zuhause zu tüfteln und Tipps von anderen abzuholen. Auch vegane Kochbücher helfen da weiter. Im Lager neues zu wagen und gemeinsam auszuprobieren kann ein super Erlebnis sein und zudem den Teamgeist fördern. Gemeinsam vegetarische Sushis zuzubereiten war zum Beispiel genial – alle hatten einen Riesenspass – das war echt ein toller Lagerabend!


Was motiviert dich?

Für mich ist klar, dass ich aktiv sein möchte und etwas tun will! Das Motto «Hurra, die Welt geht unter!» ist nicht mein Stil. Zudem langweilt es mich jeden Sommer dieselben Rezepte zu kochen. Ein Sommerlager soll auch für mich ein Ort sein an dem ich Neues ausprobieren und mich weiterentwickeln kann. Und auch die Kinder etwas Neues kennen lernen.
Zudem will ich nicht ein Lager anbieten für Kinder, wofür wiederum Kinder in anderen Ländern dafür arbeiten mussten oder Mensch und Natur ausgebeutet wurden. Das geht für mich einfach nicht unter einen Hut. Punkt.

 

Was machst du dafür, dass dein Essen gut ankommt?

Das Rezept ist eigentlich simpel – du musst gut kochen! Zentral war beim veganen Kochen neu zu lernen, wie man gut würzt. Das ist besonders wichtig, wenn man beispielsweise mit Fleischalternativen auf Sojabasis arbeitet. Zudem haben wir im ersten veganen Lager ein Theäterli für die Kinder aufgeführt, in dem wir quasi vorspielten, warum wir vegan kochen und wie wir die Lagerküche und die Menüs planen. Es ist gar nicht so einfach, alles verständlich herunterzubrechen, aber wir haben es schliesslich geschafft.
Vieles kann man auch «undercover» machen, wenn man anstatt Eierteigwaren, Teigwaren aus Hartweizengriess verwendet, merkt das niemand – zudem sind die erst noch günstiger.


Wichtig ist zudem, dass man nicht von heute auf morgen alles ändert sondern «langsam runterfährt». Sonst fährt man an eine Wand und die Teilnehmenden finden die neue Küche doof. Das ist es definitiv wert, alle sollen schliesslich Freude am gemeinsamen Lageressen haben. Wir alle wissen, dass die Stimmung wesentlich von den Kochkünsten und Gaumenfreuden in einem Lager abhängen.


Deine Durchstartertipps für Personen, die diesen Blog lesen und ihre Lagerküche umgestalten möchten?

Nicht zu kompliziert starten! Am Besten mit Dingen die bereits bekannt sind – Spaghetti Napoli mit Sojahack oder Chilli sin Carne.


Wie überzeugt man Mitleitende von der Idee?

Es kommt sehr auf’s Leitungsteam an. Manchmal hat man als Koch*Köchin freie Hand und kann sein eigenes Ding durchziehen – aber: der grundsätzliche Rückhalt des Leitungsteams ist immens wichtig. Dann argumentiert man eben und findet gute Kompromisse, hinter denen die Mehrheit stehen kann. Grundsätzlich finde ich, dass es eine Woche im Jahr nicht schaden kann ökologischer zu ernähren und auch einfach mal gemeinsam etwas Neues auszuprobieren. Als Leitungsperson ist es wichtig den richtigen Koch für die Umsetzung zu haben!


Wie unterstützt man als Lagerleitung das Küchenteam?

Voll und ganz hinter dem Küchenteam stehen – das ist wichtig! Argumentieren gegenüber anderen Mitleitenden, den Teilnehmenden erklären um was es geht und sie mit einem Theater (siehe oben) oder einem Spiel sensibilisieren. Auch ein guter Infofluss und eine begeisternde Art gegenüber den Eltern ist wichtig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gegenüber den Eltern mehr Rechtfertigung und Erklärung braucht, die Kinder fanden unseren Versuch ein Lager lang vegan zu kochen weit weniger problematisch. Und dann: Dem Küchenteam freie Hand lassen.


Wie habt ihr den Allergien gehandhabt?

Mit einer Glutenintoleranz umzugehen ist immer schwierig – da muss man wirklich ganz separat kochen. Das Problem von Lactoseintoleranz ist mit dem veganen Kochen dafür automatisch behoben.


Hast du Fragen oder bist inspiriert von Andreas und würdest gerne mit ihm Kontakt aufnehmen?

Dann melde dich, wir vernetzen dich gerne mit ihm :).