Steckbrief
| Dauer: 4h |
| Alter: Jugendsport |
| Methode: Geländespiel; Basteln |
| Ort: draussen |
Thema: Produktionsschritte eines T-Shirts; T-Shrit färben
Im ersten Teil zum Thema Faires Lager geht es darum, den Weg eines T-Shirts zu erleben, die weiten Transportwege praktisch zu erfahren und um die faire Entlöhnung aller Arbeiter*innen in der Arbeitskette. Im zweiten Teil des Blockes setzen wir uns mit den Arbeitsbedingungen während der Produktion von T-Shirts auseinander.
| Dauer: 4h |
| Alter: Jugendsport |
| Methode: Geländespiel; Basteln |
| Ort: draussen |
Thema: Produktionsschritte eines T-Shirts; T-Shrit färben
Anleitung
Im ersten Teil zum Thema Faires Lager geht es darum, den Weg eines T-Shirts zu erleben, die weiten Transportwege praktisch zu erfahren und um die faire Entlöhnung aller Arbeiter*innen in der Arbeitskette. Dazu begeben wir uns auf die Spielwiese, wo eine grosse Weltkarte (50x20m) mit Vogelband aufgezeichnet ist. Einige grössere Städte sind zur Orientierung mit Stöcken auf dem Spielfeld markiert.
Wir kommen auf der Spielwiese an. Die Kinder teilen sich in ihre vier Lagergruppen auf und erhalten von der Spielleitung je eine Weltkarte mit den wichtigsten Stationen und ein Fähnli. Zum Aufwärmen und damit sich die Kinder auf dem Spielfeld zurechtfinden, machen wir ein Geografisches Quiz. Dazu werden nacheinander Ortschaften auf der Welt gesagt und die Gruppen müssen ihr Fähnli (ihre Spielfigur in diesem Teil des Spiels) innert 20 Sekunden möglichst nahe an diesen Ort einstecken. Es wird mit Orten begonnen, die ein Schild haben, danach wird es immer schwieriger. einfache Startorte: Willisau, Peking, Kapstadt, Memphis, Ankara (ausgeschildert) mittlere Standorte: Paris, New York, Kairo, Sidney schwere Städte: Nairobi, Helsinki, Los Angeles, Buenos Aires mega schwer: Antananarivo (Madagaskar), Disco (USA), Kochi (Indien), Batman (Türkei) Für jede Stadt, bei der die Kinder in einem Meter Abstand gelandet sind, erhält die Gruppe ein Franken in Form eines golden angemalten Steines, der im weiteren Spielverlauf gebraucht werden kann.
Wir erklären das folgende Spiel den Kindern. Währenddessen richten sich die verantwortlichen Leitenden an ihren Stationen (siehe unten) ein. Ziel des Spiels ist es, dass die Gruppen möglichst viel Geld einnehmen. Dafür müssen sie die nachfolgenden Stationen in der Gruppe absolvieren, um am Schluss in der Schweiz ein billig-T-shirt für 5.00 Franken verkaufen zu können. Danach können sie wieder von vorne beginnen und versuchen noch mehr T-Shirts zu machen und somit Geld zu verdienen. Die Strecken auf dem Meer müssen mit dem Schiff zurückgelegt werden. Bei den Strecken an Land (z.B. Seidenstrasse) darf das Schiff nicht mitgenommen werden. Auf der nachfolgenden Seite sind die Stationen aufgelistet, die die Teilnehmenden in dieser Reihenfolge absolvieren müssen.
Stationen:
Station 0: Baumwolle in den USA Die Teilnehmenden erhalten in den USA Baumwolle (Baumwollbällchen vorhanden). Diese müssen sie anschliessend zum Hafen nach Memphis (USA) liefern.
Station 1: Um die Baumwolle über das Meer zu transportieren müssen die TN verschiedene mechanische Teile zusammen haben, damit sie das Schiff (eine Militärblache) erhalten. Dazu müssen sie aus einem Gefäss vier Begriffe ziehen, die im Schiff vorkommen müssen. Danach müssen sie ihr eigenes Schiff auf einen Zettel malen. Enthält das Schiff alle geforderten Teile, erhalten sie die Militärblache. Nun muss jemand der Gruppe den Schiffskapitän spielen und in die Blache sitzen während die Anderen die Blache nach Ankara tragen.
Station 2: Garn Herstellung in der Türkei (Ankara) Die Teilnehmenden müssen in der Türkei ihre Baumwolle in Garn umtauschen. Um den Seeweg (Blachentransport) nach Taiwan zu schaffen muss jedoch nachgetankt werden. Die Kinder müssen deshalb auf der arabischen Halbinsel Öl besorgen. Dafür steht im Oman ein Wasserkessel. In der Westtürkei befinden sich die Kinder mit ihren Booten. Sie haben pro Gruppe ein Litermass. Nun müssen sie mit Strohhalmen versuchen das Wasser in ihr Litermass zu bringen. Dafür muss der Strohhalm ins Wasser getaucht werden und am oberen Ende mit dem Daumen zugehalten werden. Hat die Gruppe 1cl zusammen darf sie ihr Boot (Militärblache) wieder mitnehmen und die Reise nach Taiwan antreten.
Station 3: Stoffproduktion in Taiwan (Taipe) In Taiwan muss das Garn in Stoff umgewandelt werden. Danach geht die Reise mit dem Flugzeug ins benachbarte China. Das Flugzeug müssen sie aus einem Stück Papier selber machen. Um das Stoffstück nach China zu transportieren, muss es am Flugzeug angemacht werden und von Taipe aus nach Peking geworfen werden. In Peking gibt es einen abgesteckten Bereich (Flughafen), in welchem das Flugzeug landen muss. Die Kinder dürfen so oft werfen, bis sie treffen. Pro Flugzeug darf jedoch nur ein Stoffstück transportiert werden.
Station 4: Bleichen/Färben in China In Peking müssen sie das Stoffstück färben lassen. Da sie sich da giftigen Gasen aussetzen würden, müssen sie eine Maske und Schutzbekleidung anziehen, um das Fabrikgebäude zu überqueren. Das Fabrikgebäude wird durch ein kleines Viereck aus Vogelband abgesteckt. So kann die Schutzkleidung nach Gebrauch (Querung der Fabrik) auf die andere Seite zurückgeworfen werden. Von China können die TN anschliessend zu Fuss nach Bangladesh laufen.
Station 5: Nähen in Bangladesh In Bangladesh können sie ihr gefärbtes Stück Stoff zu einem TShirt nähen lassen. Danach geht es mit dem Orientexpress (Zug) in die Schweiz. Dafür müssen immer mindestens drei Personen pro Gruppe zusammen eine Lokomotive bilden. Zwei TN gehen auf alle Viere. Der hintere umfasst mit seinen Händen die Fussgelenke des Vorderen. So bilden die beiden eine Lokomotive mit Last-Beiwagen. Die Dritte Person muss nun auf die Lokomotive sitzen und ist der Lokführer.
Station 6: Verkaufsladen In der Schweiz können sie ihr vernähtes T-Shirt für 5 Franken der Kundschaft verkaufen.
Das Geländespiel wird mit dreimaligem Pfeifen beendet. Die Kinder können nun ihre erspielten Geldsteine zählen und die Materialien, die sie noch haben, an Tadeus verkaufen.
In der Zwischenzeit haben die Leitenden ihre Posten verräumt und stehen mit einem A4-Blatt angeschrieben in einer Reihe und halten einen Teller in der Hand. Die Kinder sollen nun in ihrer Gruppe beraten, wer dieser Personen, wie viel Geld bekommen soll und dürfen dies dann in den Teller hineingeben. Sie müssen alles Geld, welches sie verdient haben, verteilen. Der Einfachheit halber wird die Geldaufteilung nur ab der Kleiderfabrik aus betrachtet. Stoff, Faden, Verpackungsmaterial etc. ist unter dem Punkt Materialeinkauf zusammengeführt. Leitende Rollen -> Materialeinkauf, Fabrik, Näher*in (Lohn), Transport, Zwischenhändler*in, Werbung, Verkaufsgeschäft Im Anschluss wird den Kindern gezeigt, wie das Geld effektiv verteilt wird. Es sollte erstaunlich sein, dass von 20 Franken gerade mal 20 Rappen an die Näher*in geht und fast die Hälfte in Werbung oder in den Verkaufsläden investiert wird. Danach zeigen wir das Ganze nochmals für ein Fair gehandeltes TShirt. Dazu darf jede Leitperson, die angeschrieben ist, sagen, wie viel sie effektiv braucht, um ein gutes Leben zu haben. Wir geben dies und stellen fest, dass die 5 Franken so nicht reichen. Uns wird klar, dass wir mit billigen Kleidern die Armut überall auf der Welt fördern. Gemeinsam mit den Kindern nennen wir zum Schluss noch Handlungsansätze, was jedes einzelne Kind tun kann, dass dies weniger passiert. Bsp.: Kleider recyceln, weitergeben, Secondhand verwenden, T-Shirt nicht so billig kaufen, Rückverfolgung der Produktion (wenn ein Teil der Produktion in Subunternehmen durchgeführt wird, sind oft schlechtere Arbeitsbedingungen da), Fair-Fashion-Labels.
Wir wollen uns im zweiten Teil des Blockes zum Fairen Lager mit den Arbeitsbedingungen während der Produktion von T-Shirts auseinandersetzen. Da wir nun wissen, welche Schritte während der Produktion durchgeführt werden, können wir den Prozess nun selbst etwas mehr im Detail durchführen und uns auf das «Drumherum» konzentrieren. Der Prozess besteht aus folgenden Schritten, die auf dem Lagerplatz verteilt sind und bei jedem befindet sich ein Leiter:
1. Baumwolle ernten: Auf dem Lagerplatz befindet sich ein abgestecktes Feld mit Baumwollfrüchten, die darin verteilt sind. Diese können geerntet werden. Dazu muss jeweils eine kleine Aufgabe, wie 3x um sich selbst drehen oder um das Feld herumrennen, erfüllen und anschliessend darf man 3 Früchte holen. Die Aufgabe zeigt, dass es anstrengend ist die Früchte zu ernten. Ein Leiter geht ab und zu mit einer Sprühflasche mit Wasser und einem Totenkopf-Aufdruck über das Feld und sprüht herum (symbolisiert Pestizide).
2. Wolle zu Garn spinnen: Jeweils 3 Baumwollfrüchte müssen auseinandergenommen und mit einer Bürste gekämmt werden. Nun können aus diesen Stücken 12 Fäden gedreht werden, indem ein kleines Stück der Baumwolle in den Händen gezwirbelt wird und anschliessend bei einem Leiter gegen ein Stück Garn eingetauscht werden kann.
3. Garn färben: Nun werden die Garnstücke für jeweils 15 Sekunden in ein Wasserbecken mit blauer Lebensmittelfarbe getunkt, dabei sollen auch die Hände das Wasser berühren. Das Wasserbecken ist ebenfalls mit einem Totenkopf versehen (symbolisiert Chemikalie zum Färben).
4. Garn zu Stoff weben: Jeweils 6 Garnstücke werden «gewebt». Das bedeutet, sie werden in einem Webmuster auf dem Tisch ausgebreitet. Für ein solches Webmuster erhält man 1 Stück Stoff, wobei insgesamt 2 Stoffstücke benötigt werden.
5. T-Shirt nähen: Mit jeweils 2 Sicherheitsnadeln werden die beiden Stoffstücke zusammengeheftet («zusammengenäht»).
6. T-Shirt bedrucken: Auf ein zusammengeheftetes T-Shirt wird ein Stempel gedruckt. Das T-Shirt ist nun fertig und man erhält einen Stein dafür. Mit diesem Stein kann man allerdings nichts auf der angebrachten Preisliste kaufen (Nahrung 10 Steine, Wasser 5 Steine, Wohnung 50 Steine, Medikamente 30 Steine, Kleidung 20 Steine).
Zuerst wird kurz in alle Posten eingeführt und anschliessend sollen alle Kinder alleine möglichst viele T-Shirts in 15 Minuten kreieren (Posten wie oben beschrieben nacheinander durchführen). Dies gelingt aber nicht, wir verdienen viel zu wenig Geld, um etwas zu kaufen. Wir versuchen gemeinsam den Prozess zu optimieren, sodass für jeden Posten einige Personen verantwortlich sind, nur diesen Posten machen und ihre Erzeugnisse dann zum nächsten Posten weitergeben (Fliessbandarbeit, Posten 1 3 Personen, Posten 2 4 Personen, Posten 3 2 Personen, Posten 4 3 Personen, Posten 5 2 Personen, Posten 6 2 Personen). Die Kinder können dazu den Posten wählen, geht es nicht auf, wird von den Leitern eingeteilt. Auch hier gilt wieder 15 Minuten für möglichst viele T-Shirts. Aber auch so wird nicht viel Geld verdient. Als letzte Optimierung werden einige Prozesse maschinell durchgeführt. So kann das das Spinnen und Bedrucken übersprungen werden, wenn jeweils 5 Sekunden gewartet wird. Auch hier gibt es wieder 15 Minuten Zeit. Auch mit diesem letzten Optimierungsschritt bleibt aber nicht genügend Zeit, wirklich viel Geld zu verdienen.
Auffallen könnte den Kindern auch Folgendes:
Alle setzen sich vor ein grosses Plakat und überlegen sich, was sie im vorherigen Teil bei der T-Shirt-Produktion erlebt haben: Wie haben sie sich gefühlt? Was ist ihnen aufgefallen? Gab es Dinge, die nicht so gut waren? Hat sich was verändert während den verschiedenen Durchgängen? Natürlich können auch Dinge genannt werden, die den Kindern schon bekannt sind. Ein Leiter schreibt die genannten Punkte auf das Plakat. Einige der Punkte sollten bereits aus dem ersten Teil klar sein.Folgende Punkte sollen dabei erwähnt von den Leitenden erwähnt werden, falls sie nicht von den Kindern angesprochen werden, wobei natürlich noch weitere Punkte angesprochen werden können:
Alle 4 Lagergruppen treffen sich mit einem Leiter und diskutieren darüber, was man tun könnte, um die Probleme im oben diskutierten Teil lösen zu können. Dazu gestalten die Kinder ein eigenes Plakat. Folgende Punkte sollen von den Leitenden angesprochen werden, falls diese nicht von den Kindern erwähnt werden, wobei natürlich noch weitere Punkte angesprochen werden können:
Nun wählt jede Gruppe einen Punkt aus und macht ein Theater dazu, indem sie zeigt, wie die Umsetzung dieser Lösung aussehen könnte.
Zum Abschluss gestalten wir T-Shirts so, wie man es am besten tun sollte: Mit so viel Zeit wie jeder benötigt und Naturfarben. Dazu werden Zwiebelschalen von ca. 3 kg Zwiebeln 20 Minuten in Wasser gekocht und dann abgekühlt. Ebenso werden 3 Rotkohlköpfe geschnitten und während 20 Minuten in Wasser gekocht, Backpulver hinzugefügt, bis das Wasser blau erscheint und abgekühlt. Diese beiden Farben entsprechen einem Orange-Braun und einem Blau. Diese beiden Farben sind auch die Vereinsfarben der Pfadi Willisau.
Nun können die Kinder ihre weissen Baumwolltshirts mit Schnur und Gummibändern verknoten und drehen, wie man es beim Batiken tut. Die zusammengeknoteten T-Shirts werden dann in jeweils ein Säckli gelegt und mit je 2 Bechern des gefärbten Wassers übergossen, sodass das T-Shirt richtig eingelegt ist im gefärbten Wasser. Die TShirts bleiben über Nacht in der Farbe eingelegt und am nächsten Morgen in einem Becken mit Wasser ausgewaschen und abseits der Sonne getrocknet.